Neue Nachbarschaft: Eine „Heimatwerkstatt“ soll Gemeinschaft fördern

Man kennt sich ja eher nur vom Sehen…  Wenn es hoch kommt, grüßt man sich sogar. Und kann so über Jahrzehnte in der gleichen Straße wohnen und hat noch nie ernsthaft miteinander geredet. Als Freunde von mir ein Haus in einer Straße bezogen, in der es viele „Alteingesessene“ und eine Reihe „Neuzugezogene“ gab, haben sie dort mit Straßenfesten begonnen. Erstmals kam da die Nachbarschaft zusammen. Und mancher „Alteingesessene“ wechselte nicht nur mit den „Neuzugezogenen“, sondern auch mit denen, die schon lange in derselben Straße wohnten, erstmals ein Wort mehr als einen flüchtigen Gruß.

Nachbarschaften, Netzwerke, Gemeinschaften… das wird immer mehr zu einem Zukunftsthema unserer Gesellschaft. Wir sind wie nie zuvor virtuell miteinander vernetzt, über Facebook und WhatsApp, über Twitter und Instagram. Vor Ort aber erleben viele Menschen – gerade in zunehmendem Alter – eine reale Vereinsamung: Die Kinder aus dem Haus und nicht mehr vor Ort, der tägliche Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen auf der Arbeit im Ruhestand verebbt. Und um mich herum nur Menschen, die ich nicht oder nicht mehr kenne.

In dieser Situation denken wir Gemeinde in der Stadtmitte neu. Unser neues Gemeindehaus soll ein Ort der Begegnung und Vernetzung für alle Menschen in der Mitte der Stadt werden. Der Platz zwischen Kirche und dem neuen Haus ein Platz der Nachbarschaft und der Gemeinschaft.

Und damit beginnen wir, bevor das neue Haus steht. Schon zum Ende des Jahres wird es erste Aktionen geben, die Menschen zusammenbringen, die zuvor noch nichts miteinander zu tun hatten. Mit Beginn des neuen Jahres starten wir dann unsere „Heimatwerkstatt“. Wenn alles so klappt, wie wir es uns vorstellen, dann wird dazu ein Baucontainer auf dem Platz zwischen Kirche und Gemeindehaus aufgestellt. Rund um ihn wird es immer wieder neue Aktionen geben, die Menschen einladen, mitzumachen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Planschbeckenfest, wenn der Sommer wieder so wird, wie der in diesem Jahr. Oder einem Pflanzgarten auf Zeit, an dem jeder und jede nicht nur mitarbeiten, sondern gerne auch ernten kann. Am Besten aber würde das Gemüse aus diesem Garten gemeinsam gekocht. Und dann könnten wir doch gleich die einladen, denen man ansieht, dass ihnen der Magen knurrt. In einem „Heimatmuseum“ könnten regelmäßig Ausstellungen stattfinden von Dingen, die Menschen hier in der Stadt ein Gefühl von Zuhause geben. Und am Lagerfeuer könnten Kinder ihr Stockbrot backen, während ihre Eltern Pläne für die nächste Aktion schmieden.

Bei all diesen Aktionen werden wir genau hinhören, was die Menschen hier vor Ort und an diesem Platz sich wünschen für das Zusammenleben, was sie brauchen, um sich hier wohlzufühlen, was sie einlädt, mitzumachen.

Mit dieser Heimatwerkstatt stehen wir nicht allein da, sondern freuen uns über ein Projektteam mit Mitarbeitenden der Evangelischen Erwachsenenbildung Nordrhein, der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis An Sieg und Rhein und der Freiwilligenagentur der Diakonie. Außerdem ist das Sozial- und Wohnungsamt der Stadt Kooperationspartner. Insgesamt also ein Starkes Bündnis für eine starke Gemeinschaft inmitten der Stadt.

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